Samstag, 25. Juni 2016

Die Angst des Establishments vor weiteren Volksabstimmungen

Mowitz
Es reicht nicht länger wenn das Establishment wohlfeile Phrasen von den wirklichen oder eingebildeten Vorzügen einer "Wertegemeinschaft" drischt, die es so ja gar nicht gibt - wenn man gleichzeitig die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer treibt. Global und lokal. Kritik an dieser Politik wird im besten Fall verächtlich als Populismus (von lateinisch populus ‚Volk‘), abgefertigt.

Der Begriff Populismus ist im allgemeinen Sprachgebrauch nicht gerade positiv besetzt, sondern wird eher den "Einfältigen" als den "Eliten" zugeordnet - und unterstellt einfache Antworten auf komplizierte Fragen, die aber nicht zu Problemlösungen geeignet sind.

Allein die Wortwahl zeigt schon wie tief die Verachtung der Großkopferten gegenüber dem Staatsvolk sitzt. Dabei ist neben dem Staatsgebiet und der Staatsgewalt, das Staatsvolk im völkerrechtlichen Sinne eines der drei Elemente eines Staates.

"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", steht im Artikel 20 des GG. Das ist dann so eine Phrase die munter und feierlich gedroschen werden kann, ohne dass die Oberschicht irgendetwas vom Volk zu befürchten hat. Dafür sorgt spätestens der Einsatz von Polizei die auf das Kommando der Bourgeoisie hört und gedrillt ist, und sich weniger dem Schutz des Volkes, als dem Schutz des Jetsets in unserer Spaßgesellschaft verpflichtet fühlt. Ich würde sagen, unser Establishment ist de facto eine Schicht, die mit Phrasen das Staatsvolk so lange ruhig stellen soll, bis die Menschen merken, dass sie gröblichst verarscht werden und dagegen aufbegehren.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Leider bleibt es häufig nicht aus, dass sich eine neue "Elite" die Bildung einer neuen Führungsschicht auf ihre Fahnen schreibt, und versucht mit verstaubten, nationalistischen Phrasen die Welt von vorgestern wiederherzustellen und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das hat den Vorteil, dass Mitläufer schneller zu finden sind, die überhaupt keine Fragen stellen und einfach nur mitlaufen, falls sie nicht zu schlimmeren Dingen aufgefordert werden. Nationalismus und religiöser Eifer sind die beiden Drogen, die von den Eliten erfolgreich und ohne große Überredungskünste eingesetzt werden können, häufig nur um ihre eigenen Kassen aufzufüllen.

So wurde auch die Brexit-Kampagne auf der königlichen Insel am anderen Ufer des Ärmelkanals von hasserfüllten, fremdenfeindlichen und imperialistisch denkenden Spießbürgern betrieben, die ihrem schon seit hundert Jahren untergegangenen Imperium, welches auf dem Blut von Millionen ermordeter Ureinwohner in fernen Erdteilen aufgebaut war, nachtrauerten. Und diese "Trauer" wird nicht nur vom "einfältigen Pack" geteilt, sondern in noch sehr viel höherem Maße von einer immer noch rassistisch denkenden, selbsternannten "Elite", die schon vor Jahrhunderten mit einfachen Antworten, "und willst Du nicht mein Sklave sein, so schlag ich Dir den Schädel ein", auf geopolitische Beutezüge waren und "kompliziertere" Fragen in den Teilen der Welt von denen sie vorher noch nicht einmal wussten dass es sie gab, erst gar nicht stellten.

So lange die Teile der Welt die von den Weißen noch nicht "entdeckt" waren, gab es sie auch nicht. So hat diese Schreib- und Denkweise bis auf den heutigen Tag überlebt. Nicht nur bei den Briten, die gerne als "Demokraten" auftreten. Die Rechte einheimischer Bevölkerungen missachteten sie und glaubten noch dazu es wäre ihr unveräußerliches Recht sich so zu verhalten. In Wahrheit standen die einheimischen Bevölkerungen ihren imperialistischen Interessen im Wege, wenn sie sich nicht versklaven ließen und zur Gegenwehr ansetzten. Dann wurden sie im Namen der "Krone" niedergemetzelt bis die Eroberer knöcheltief im Blut ihrer Opfer wateten und inbrünstig ein Halleluja als Danke an die "Vorsehung" gen Himmel sandten.

In der FAZ wird EU-Establisher Juncker wie folgt zitiert:
"EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schließt weitere Referenden zum Austritt aus der Europäischen Union nicht aus. Dies sei möglich, „da Populisten in der Regel keine Gelegenheit auslassen, um mit viel Lärm für ihre Anti-Europa-Politik zu werben“, sagte Juncker in einem Interview der „Bild“-Zeitung. Es dürfte sich allerdings jetzt rasch zeigen, dass es Großbritannien nach dem Votum für einen EU-Austritt bald schlechter gehen werde — „wirtschaftlich, sozial und außenpolitisch“. Beim EU-Gipfel kommende Woche müsse es eine offene und ehrliche Diskussion geben, wie man die Sorgen der Bürger aufnehmen und gegen Populisten vorgehen könne".
Seine Argumentation also: "Populisten" (die ja schon laut Definition der "Eliten" nicht in der Lage sind überhaupt brauchbare Lösungsvorschläge formulieren zu können) - und wirtschaftliche, soziale und außenpolitische Verschlechterungen für die Briten nach ihrem Austritt aus der EU.

Warum? Dazu kein Wort. Aber es ist nicht sonderlich abenteuerlich davon auszugehen, dass die geballte Macht anonymer Märkte, Börsen und der ebenso anonymen Globalisierung, die alle von realen Menschenhänden des Großkapitals und der Finanzindustrie gesteuert werden und die man nun von der Leine lassen wird um das Volk, das ja die nominelle Mehrheit bei dem Referendum ausmachte, zu bestrafen. Sozusagen als Erziehungsmaßnahme, damit es nicht noch einmal gegen fundamentale Interessen des Großkapitals Stellung bezieht.

Schließlich darf die Spielwiese für den großkopferten Heuschrecken-Geldadel keinen Schaden nehmen.

FH

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