Samstag, 30. Juli 2016

Kronzeuge der Anklage: Der Sultan vom Bosporus

Mowitz
Kaum hat er sich einem Putsch entwinden können, dem auch unverdächtige Beobachter eine Nähe zu US-amerikanischen Strippenziehern im Hintergrund nicht absprechen wollen, wird aus 'guten' Nato-Komplizen eine zweigeteilte Komplizenschaft wie es unter Mafiosos üblich ist, wenn ihre Interessen nicht länger deckungsgleich sind. Das geht ruck, zuck und der Straßenkampf beginnt, mit Erdogan klar im Vorteil. Für den gehen seine Anhänger auf die Straße und gehen auch Schlägereien nicht aus dem Weg. Für Merkel geht keiner mehr auf die Straße. Höchstens gegen sie.

Erdogan ist gerissen und spielt seine Karten gut. Man muss den Mann nicht mögen, aber seine Schweinereien sind nicht größer als die der Nato mit dem Oberbefehlshaber USA oder der EU. Sie alle sind in dem schweinischen Terrorkrieg gegen Syrien aktiv und nehmen das Morden an Millionen Syrern und die Totalverwüstung des Landes, im Kampf um das größte Gasfeld der Welt und seiner Vernetzung in der Region, billigend in Kauf. Von wegen Demokratie und gemeinsame Werte. Floskeln ohne Wert. Und das bei solchen Massenmorden!

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Erdogan gibt sich großmütig und will als Zeichen seines guten Willens hunderte von Klagen wegen Präsidentenbeleidigung zurückziehen. Sogar gegen den von Merkel zum Abschuss freigegebenen Satiriker Jan Böhmermann wegen seines Schmähgedichtes.

Erdogan reagierte auf die Kritik der EU und den USA empfindlich, und forderte seine bisherigen Kumpane auf sich "um ihre eigenen Angelegenheiten" zu kümmern, statt seinem Land Ratschläge zu erteilen. "Einige Leute geben uns Ratschläge. Sie sagen, sie sind besorgt. Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten! Schaut auf eure eigenen Taten", sagte Erdogan.

Da hat der Sultan vom Bosporus doch völlig Recht. Er weiß in diesem Fall genau wovon er spricht. Er war jahrelang Mittäter in den von den Vereinigten Staaten von Nordamerika und ihren Vasallen angezettelten Kriege und Destabilisierungen im Nahen und Mittleren Osten. Und in keinem der Fälle ging es um Menschenrechte, Demokratie oder ähnlich hehre Ziele, sondern um Mammon in Form von Öl, Gas und anderen Ressourcen die den Gewinnmaximierern der Wall Street lohnend genug erschienen um Millionen Menschen zu ermorden und heimatlos zu machen. Dagegen sieht die sizilianische Mafia aus wie die Regensburger Domspatzen.

Mord ist Mord und Verbrechen sind Verbrechen, auch wenn man den nebulösen Begriff "Geopolitik" als strafmildernd für seine Verbrechen bemüht.

Wenn uns unsere "Qualitätsmedien" jetzt den Sultan als den "Bösen" verkaufen, Merkel, Hollande, Cameron, Obama, Kerry und Clinton aber weiterhin die "Guten" sein sollen, muss etwas mit dem Wahrnehmungsvermögen der Mainstream nicht stimmen, oder sie trägt die Bezeichnung "Lügenpresse" zurecht.

Man sollte Erdogan im Interesse der offiziellen Wahrheitsfindung in ein Kronzeugenschutzprogramm aufnehmen und vom Internationalen Strafgerichtshof befragen lassen. An welchen "geopolitischen" Verbrechen er und seine politischen Standesgenossen teilhaftig waren. Ein irrer Gedanke? Mag sein. Aber eine irre Zeit braucht irre Lösungsansätze. Wer einen Islamischen Staat kreiert, beschützt und nicht besiegen will, nur um ihn als Legitimation für seinen eigenen Staatsterrorismus zu missbrauchen, ist selbst so irre, dass vernünftige Lösungsansätze von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. "Gewinnmaximierer um jeden Preis" sind einfach nicht vernunftsbegabte Wesen.

Erdogan sollte für eine umfängliche und wahrheitsgemäße Aussage, im Rahmen des Schutzprogramms, Straffreiheit zugesichert werden. (Heute werden als Kronzeugen solche Zeugen bezeichnet, die in der Hoffnung auf oder gegen Zusage von Strafmilderung oder Straffreiheit für ihren eigenen Tatbeitrag gegen die übrigen Beteiligten aussagen.)

FH

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1 Kommentar:

  1. Wie sagte Volker Pispers so treffend: Wer Demokrat oder Terrorist, entscheiden die USA, nach Tageslage.

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