Sonntag, 24. Juli 2016

Manche mögen's heiß - Soros spekulativ

Mowitz
Der untote Multimilliardär und Großspekulant George Soros, 85 Jahre alt, macht sich zum wiederholten Mal große Sorgen, dass es nach dem Brexit mit Europa zu Ende geht, die EU in Lebensgefahr ist und Europa nur überleben kann, wenn es sich in einen Verbund verwandelt, dem sich auch London wieder anschließen könnte. (Soros lässt sich mit Vorliebe 'Großinvestor' titulieren, da ihm die richtige Bezeichnung 'Großspekulant' wohl zu un­prä­ten­ti­ös erscheint.)

So spricht ein Mann der die Welt mit Heuschrecken, Leerverkäufen und Spekulationen auf das britische Pfund das Fürchten vor dem Großspekulantentum im Kapitalismus gelehrt hat. (Er verkaufte Devisen, die ihm gar nicht gehörten, um von Abwertungen des Pfundes zu profitieren. [Siehe hier]. Eine Europäische Bankenunion haben wir schon seit Mai 2014 und ihr bislang auf nationalen Ebenen liegende Kompetenzen übertragen. Aber die Banken haben schon weit vor 2014 Staaten überommen. [Siehe hier].

Das ist die Spezies Mensch von der Kurt Tucholsky nicht ohne Spott meinte, "ein guter Bankier geht jeden Tag zur Börse, das ist das halbe Leben".

Desto dramatischer seine Bankensicht auf das Weltgeschehen:
„Die EU verfügt über unberührte Ressourcen, die eingesetzt werden können. Wann, wenn nicht jetzt, wo die Union zwischen Leben und Tod steht, sollte Brüssel diese einsetzen?”
Dabei vergisst der Mann geflissentlich, dass systemisch-wirtschaftlichen Krisen zum Kapitalismus gehören, wie Heuschrecken zu Hungersnöten. Er sieht sich auch nicht genötigt uns mitzuteilen welche unberührten Ressourcen er wohl meinen könnte. Unberührtes Papiergeld vielleicht? Das der europäische Steuerzahler schon seit Jahren Papiergeld-Milliarden durch die EZB für den Kauf von faulen Krediten ausgibt, um Banken und den Kapitalismus zu retten; darüber wird heute nur in 'Expertenkreisen' geredet. Eine zu komplexe Materie für die, die am Ende zahlen dürfen. Die Steuerzahler. Das gemeine Volk.

Und bedeutende Mitverursacher von Hungersnöten im Kapitalismus sind eben Leute wie Soros die Gewinne mit Blasen produzieren, die periodisch platzen und sie bestimmen auch die Systemregeln. Die darauf folgenden Krisen werden nicht von den Soros' dieser Welt gemeistert, sondern durch die Zerstörung der Sozialstaaten bezahlt, was wiederum Soros und seiner Spekulantenklasse ökonomisch zugute kommt. Fragt mal ganz aktuell die Griechen, wo das kapitalistische Plünderungssystem voll zum Tragen kommt.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Um zu wissen dass Banken Geschäfte machen, die sich im Bereich des Kriminellen bewegen muss man nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben. Der kurze Abriss der Nationalökonomie, geschrieben 1931 von Kurt Tucholsky ist lehrreicher und nützlicher als WiWi-Semester an den Universitäten zu absolvieren, die eher zweifelhaftes wirtschaftliches Wissen vermitteln.

Auch die heute wieder von vielen Geld-, äh, Goldwäschern angepriesene Goldeckung des Geldes als die Lösung aller Geldprobleme und Abschaffung der Altersarmut, behandelte Tucholsky kurz und konzis mit viel Humor in seinem Abriss:
"Das im Umlauf befindliche Papiergeld ist durch den Staat garantiert; dieses vollzieht sich derart, dass jeder Papiergeldbesitzer zur Reichsbank gehn und dort für sein Papier Gold einfordern kann. Das kann er. Die obern Staatsbankbeamten sind gesetzlich verpflichtet, Goldplomben zu tragen, die für das Papiergeld haften. Dieses nennt man Golddeckung".
Auch dass der Arbeiter für seine Arbeit einen Lohn haben muss, durchschaute Tucholsky damals schon klug und weitsichtig als eine Theorie, die bereits allgemein fallen gelassen worden war.

Den deutschen Export beschreibt er so treffsicher, dass Schäuble, würde er anstatt seine Sparbankbücher, mal Tucholsky lesen, Tucholsky-Literatur auf den Index setzen. Dann dürften seine Werke weder erscheinen, noch gelesen werden.
"Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export, Export ist, wenn die andern kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen"
¨Der Grexit ließ schon damals grüßen, bevor es ihn überhaupt gab. Heute schreiben WiWi-Professoren lange Aufsätze über den Export, die sie selber nicht verstehen. Auch das Kreditsystem verstand er besser als Schäuble und viele Wirtschaftsprofessoren die heute im Finanzministerium zwischendurch noch atmen:
"Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. 'Stützungsaktion', bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr".
Die Börse nimmt Tucholsky scharf auf's Korn, gesteht ihr aber trotzdem eine Rolle zu. Die Rolle die einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant ersetzen; die frommem gehn außerdem noch in die Synagoge:
"Die Börse sieht jeden Mittag die Weltlage an: dies richtet sich nach dem Weitblick der Bankdirektoren, welche jedoch meist nur bis zu ihrer Nasenspitze sehn, was allerdings mitunter ein weiter Weg ist. Schreien die Leute auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist fest. In diesem Fall kommt – am nächsten Tage – das Publikum gelaufen und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist. Ist die Börse schwach, so ist das Publikum allemal dabei. Dieses nennt man Dienst am Kunden. Die Börse erfüllt eine wirtschaftliche Funktion: ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer".
Eine allgemeine Verbreitung der Schriften Tucholskys könnte das Volk immun gegen das staatlich und privat verordnete Geschwätz der Lügen- und Pornopresse machen. Tucholsky lesen bedeutet eigene Gedanken zu  entwickeln und sie sogar selbst zu formulieren. Anstatt manipuliert zu werden. Darum waren seine Bücher während der Nazizeit auch verboten und wurden öffentlich mit Werken anderer kritischer Literaten, z.B. von Karl Marx, öffentlich verbrannt. Die Angst der Faschistenklasse vor großen und freien Geistern manifestierte sich damals im Bücherindex und Bücherverbrennungen. Heute ersetzt das Pornogeschäft die Funktion von Index und Bücherverbrennung bei der 'freien' Bücherwahl. Ein Riesengewinn für die Manipulationsklasse. Ein Verlust für die Manipulierten, die Chaos weiterhin allein den bankcertifizierten Manipulanten überlassen.
"Die einen haben nichts zu essen und machen sich darüber Gedanken, das kann zur Erkenntnis ihrer Lage führen: und das ist dann Marxismus; die andern haben zu essen und machen sich keine Gedanken darüber: und das ist dann die offizielle Religion. So verschieden ist es im menschlichen Leben! Peter Panter, Die Weltbühne, 14.04.1931, Nr. 15, S. 542, wieder in: Lerne Lachen".

FH

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