Samstag, 9. Juli 2016

Video: die Hölle brach in der Knesset los, als Zoabi auf das israelische-türkische Abkommen hin eine Entschuldigung forderte

Allison Deger
Übersetzt von  K. Nebauer
Das israelische Parlament versank gestern im Chaos, als Hanin Zoabi von der Joint List zur kürzlichen Annäherung zwischen Israel und der Türkei über den Überfall auf die Freiheits-Flottille sprach und eine Entschuldigung für eine Sitzung von 2010 verlangte, in der sie wegen ihrer Kommentare zu dem tödlichen Überfall als "Terroristin" niedergeschrien worden war. Auch dieses Mal sprangen die Regierungsmitglieder von ihren Sitzen auf, mehr als ein dutzend stürmten zu ihr und schrien: "Terroristin!", worauf sie antwortete: "Schlagt mich (doch)!"



Ein Funktionär aus Zoabis Partei beschrieb die Szene als die brisanteste in den Knessetsälen in der letzten Zeit. "Jeder, der dort arbeitet, war richtig durchgerüttelt, man glaubte wirklich, es käme zu einem Aufstand", sagte der Funktionär und fügte hinzu: "Am Ende war jeder in das Chaos hineingezogen."

Ein Video vom Hearing zeigt, wie Sicherheitskräfte intervenieren, aber nicht fähig sind, den Raum unter Kontrolle zu bringen. Es wird berichtet, dass mehrere Knessetmitglieder sich Zoabi näherten und "Dreck" und "Terroristin" riefen. Zoabi stand auf dem Podium während des Großteils der Turbulenzen.

Video
Sie hielt in der Plenarsitzung eine Rede zum gerade beschlossenen Abkommen zwischen Israel und der Türkei. Das Abkommen hat die Spannungen beendet, die 2010 begonnen hatten, nachdem israelische Kommandos zehn türkische Staatsbürger an Bord eines Hilfskonvoys, der nach Gaza fuhr, in einer Operation zur Requirierung der Schiffe töteten. (Israel kontrolliert den Zugang zum Gazastreifen und stellte zu der Zeit fest, dass die Schiffe versuchten illegal (in den Streifen) einzufahren.)

"Israel ist nicht aus Gaza abgezogen. Israel hat Gaza von der Welt und vom Leben abgeschnitten", sagte Zoabi heute laut einer Kopie ihrer Rede, die ihre Partei veröffentlicht hat. Zoabi verlangte dann von ihren Kollegen sich für eine erregte Knessetsitzung von 2010 zu entschuldigen, bei der Zoabi wegen ihrer Kommentare zu dem tödlichen Überfall als "Terroristin" niedergeschrien worden war.

Zoabi war eine der Passagiere auf den Hilfsschiffen. Ihre Rede begann vor einer ruhigen Hörerschaft, bis Oren Hazan, ein Parlamentarier von Likud, der Partei des Premierinisters, sie unterbrach. "Du bist die (größte) Hetzerin des Landes" sagte Hazen, laut Arutz Sheva, und fuhr fort: "Du bist die aller Gefährlichste. Du unterstützt den Terror, Du Heuchlerin. Geh doch nach Gaza."

"Ich möchte eine Entschuldigung und ich möchte ein Schmerzensgeld, ich will es den Kindern von Gaza spenden und den nächsten Flottillen", sagte Zoabi.

"Deine Freunde sind Mörder; Du bist eine Komplizin des Terrorismus. Du bist dreist. Die Zeit ist um. Du wirst dieses Podium nicht benutzen, um gegen IDF-Soldaten zu sprechen", fügte Hazan hinzu. Zoabi antwortete ihm: "Ihr habt gemordet! Mörder! Halt den Mund!", berichteten Ynet News. Schnell kamen andere Politiker dazu, manche zu ihrer Verteidigung.

Zoabi und Aliza Lavie von der Partei Yesh Atid (Es gibt eine Zukunft) tauschten eine Kakophonie von Beleidigungen aus, worauf Zoabi hetzte: "Komm und schlag mich, Aliza, komm und schlag mich", berichtete Ynet News. Schließlich wurden vier Knessetmitglieder aus dem Raum eskortiert.

Nach den Ausbrüchen schalteten sich mehrere derzeitige und frühere Regierungsmitglieder, die nicht anwesend waren, über soziale Medien ein. Der frühere israelische Geheimdienstchef Avi Dichter sagte über Zoabi auf Twitter: "Sie ist nicht einmal wert, Futter für Zirkuslöwen zu sein."


Knessetmitlied Ofir Akunis sagte gegenüber Ynet News, Hanin Zoabi sei "eine Terroristin" und fügte hinzu: "Wir sind stolz auf unsere Soldaten. Wir begrüßen unsere Soldaten. Wir sind stolz auf die Schlagkraft, die die Kontrolle über die Marmara errungen und verhindert hat, dass sie die Blockade des Gazastreifens durchbricht; und mit dem Abkommen (mit der Türkei) wird die Blockade Gazas weitergehen."

Der Funktionär von Zoabis Partei Joint List sagte gegenüber Mondoweiss: "Der einfachste Weg, etwas Sympathie von deiner rechten Basis zu bekommen, ist, einen Streit mit arabischen Knessetmitgliedern zu inszenieren."

Ein ähnlicher Ausbruch fand in der Knesset 2010 nach dem israelischen Überfall auf die Flottille nach Gaza statt. Zoabi stand bei ihrer Rede wieder auf der Bühne, als sie unterbrochen wurde. Damals rief sie nach einer internationalen Untersuchung der israelischen Schießerei auf die türkischen Staatsbürger. Während sie sprach, beschuldigten ihre Kollegen sie eine "Terroristin" zu sein und Messer bei sich zu haben.



Zoabi nahm auf diesen Vorfall Bezug, als sie bei ihrer Rede heute Morgen sagte, Israels Zahlung an die Türkei habe ihre Statements, die sie vor sechs Jahren vor der Knessset abgegeben habe, gerechtfertigt. "Die wahren Kriminellen sind die, die den Gazastreifen zu einem Gefängnis gemacht haben: einem Gefängnis, in dem es an keinem Tag eine stabile Stromversorgung und kein frisches Wasser gibt", sagte Zoabi heute.


Danke Palästina Portal
Quelle: http://mondoweiss.net/2016/06/demands-following-agreement/
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 30/06/2016
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=18300

Kommentare:

  1. Es ist schade, dass die Mächtigen dieser Welt aus welchem Land auch immer noch immer nicht gelernt zu scheinen haben, das die Völker keine Kriege wollen. Erklärt ihnen in Ruhe, was ihr (die Eliten) vorhabt. Wenn es Aufstände dagegen gibt, scheint es wohl eine gewisse Anzahl von Menschen zu stören. Sind es so wenige, dass ihr trotzdem eure Kopf durchsetzen wollt, dann steht bis zum Ende dazu ansonsten seid ihr nichts weiter als Kindergartenkinder, welche nicht gelernt haben, wann es gut ist mit der Quengelei. So was sitzt auf den Stühlen der Herrschenden. Da kann ich nur entsetzt staunend mit dem Kopf schütteln und sagen: Werdet endlich erwachsen und übernehmt Verantwortung für eure Taten und Worte. Pfui!!!

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  2. Als von Natur aus soziale Wesen haben alle Menschen - ob bereits bewusst oder noch unbewusst - gemeinsame Friedens- und Solidarinteressen. Also muss die Gemeinschaft zum friedlichen Zusammenleben bereits Fähiger geschützt werden vor jenen, die noch nicht soweit sind, geschweige denn für Positionen geeignet zu sein, in denen ihre Entscheidungen Einfluss auf Menschenleben haben könnten. Anders geht es nicht.

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