Sonntag, 17. Juli 2016

Zwei Tage danach: Noch ein "Gottesstaat"?

Mowitz
Die Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen, Türkeiexpertin der Linken, stellt sich nicht in die Reihe der "was nun?- Experten" und schaut auch nicht erstaunt und sprachlos auf den Sultan vom Bosporus, Erdoğan. Sevim Dağdelen stellte sich der Presse und antwortete in einem Gespräch mit Sputnik auf die Frage ob der Putschversuch absehbar war und wenn ja, warum?
"Die verzweifelten Versuche Erdoğans, auf Biegen und Brechen die problematischen Beziehungen zu seinen Nachbarn wie auch zu Israel und Russland wieder zu normalisieren, lassen sich auch als Versuch deuten, für mögliche innenpolitische Bedrohungen freie Hand zu haben. Der Putschversuch überrascht insofern wenig als Erdoğan den Weg der Türkei Richtung islamistische Diktatur in letzter Zeit immer weiter beschleunigte".
Eine kühne, aber nicht unrealistische Analyse aktueller türkischer Politik. Auch eine groß angelegte unter "falscher Flagge Operation" [im Imponierdeutsch: False Flag Operation] wollte sie trotz aller Unklarheiten die noch nach so kurzer Zeit seit dem Putschversuch herrschen, nicht ausschließen. Auch Gerüchte die im Umlauf sind, dass Erdogan den Putschversuch selbst inszeniert habe, fertigte sie nicht einfach ab und verwies sie nicht ins Reich der "Verschwörung", so wie es in unseren Lei(d)medien der konzern- und staatseigenen Presse üblich ist, wenn sie sich selbst auf eine Verschwörungstheorie festgelegt hat, die sie ihrem Publikum im Interesse von Regierung und Konzernen nahebringen will.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Und Sevim Dağdelen untermauerte ihre Auffassung mit dem Hinweis:
"Wer sich an die veröffentlichten Abhörprotokolle eines Gesprächs vom ehemaligen Außenminister der Türkei, Ahmet Davutoglu, mit dem Geheimdienstchef und Generalstabschef mitten im syrischen Bürgerkrieg* erinnert, wo ein Vorwand für die Legitimation einer türkischen Invasion in Syrien durchgespielt wurde, der kann das nicht mit Sicherheit jetzt ausschließen"
Mit Sicherheit wird die Saat der Gewalt weiter sprießen und aufgehen, die unter Führung der USA und Nato im Nahen und Mittleren Osten gesät wurde. Zum Schluss noch ein Blick in die jüngere Vergangenheit um daran zu erinnern wie vieles, nicht alles, begann:
"......2011 fiel der ISIS (mit neuen Pickups ungehindert) über die irakische Grenze in Syrien ein, und seine von den USA, der EU, der Türkei und Israel finanzierten und mit Waffen ausgestatteten islamistischen Terrorbanden, die gerade Städte in Libyen verwüsteten, fielen nun – als "gemäßigte Rebellen" verklärt – auch über syrische Städte her, um die säkulare syrische Regierung und Baschar al-Assad zu stürzen.

Tausende islamistischer "Freiwilliger" folgten dem Ruf salafistischer Propagandisten und der von den versprochenen fetten Gehaltsschecks aus Saudi-Arabien ausgehenden Verlockung und bildeten eine Art "Fremdenlegion" des saudischen Königshauses. Sie wurden trainiert und bewaffnet und vom türkischen Geheimdienst nach Syrien eingeschleust. Auch die von den USA bewaffneten und trainierten so genannten "gemäßigten Rebellen" desertierten mit ihren modernen US-Waffen schnell zum ISIS und anderen Terroristengruppen, während ihre Führer noch Pressekonferenzen in London und Washington abhielten. Der ISIS eroberte rasch strategisch wichtige Schlüsselpositionen in Syrien und drang westwärts gegen Basen der Marine und der Luftwaffe Russlands und von Süden her auf die syrische Hauptstadt Damaskus vor. Millionen Syrer wurden entwurzelt, viele wurden versklavt oder abgeschlachtet.

Die in den westlichen Medien verbreiteten Nachrichten über die Erfolge des ISIS – die Eroberung der Ölfelder und die gewinnbringenden Ölverkäufe an die Türkei – und die Waffenlieferungen aus Saudi-Arabien, aus der EU und aus den USA lockten mehr als 30.000 freiwillige Söldner aus Nordamerika, Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten und Südasien an.

Diese neuen Terroristen erhielten in Syrien eine militärische Ausbildung – auch im Bauen von Bomben und in der Planung von Anschlägen. Über 5.000 dieser fanatischen Islamisten waren Bürger von EU-Staaten. Viele dieser kampferfahrenen jungen Männer sind inzwischen nach Frankreich, Belgien, Deutschland und andere EU-Staaten zurückgekehrt. Die europäischen Regierungen hatten sie ungehindert nach Syrien ausreisen (und wieder heimkehren) lassen, weil sie als NATO-Hilfstruppe zur Herbeiführung des von den USA und der EU beabsichtigten "Regimewechsels" in Damaskus gut zu gebrauchen waren....."
FH


Mehr zum Thema:
*Gegenmeinung: Syrien: Der "Bürgerkrieg" der niemals stattfand
Gegenmeinung: Die Terroranschläge in Paris und Brüssel: Die "islamistischen Legionäre" aus Europa tragen den Kampf nach Hause

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