Mittwoch, 17. August 2016

Die „Palästinisierung“ Syriens - Wenn Menschen zu Spielbällen werden

Mowitz
Gestern brachte das ehNaMag einen gewissen Kilian Kleinschmidt seinen Lesern näher. Auch er ein sogenannter Experte. Das muss schon sein. Ein Migrationsexperte - weniger geht nicht. Einer der nicht so kleinmütig wie Merkel mit ihrem "Wir schaffen das" daherredet, sondern forsch die Meinung vertritt: "Man schafft alles". Ein Manager von Mammutflüchtlingslagern dieser Welt, der sich mit der Mafia anlegte und das Chaos mit unkonventionellen Mitteln in den Griff bekam, lobhudelt Spon über den Mann der heute Berater der Bundesregierung ist.

Ein Mann, der das Flüchtlingselend als Chance für die in Personalunion agierenden Flüchtlingsempfänger und -verursacher sieht. Ein kreativer, "humanitärer Experte" vom Allerfeinsten. Ein Mann der darauf hinweist, wie unzählige andere "Experten" schon vor und es wohl auch nach ihm tun, dass Europa vergreist, und in den nächsten Jahrzehnten etwa 50 Millionen mehr Menschen braucht, um dem fehlenden Zeugungswillen der Europäer etwas 'mannhaftes' entgegenzusetzen.

Bei den ganzen Diskussionen über "Flüchtlingsprobleme", "Bürgerkriege", "Balkan- und Mittelmeerrouten", "Schlepperbanden", "Integration" und "doppelter Staatsbürgerschaft", kein Wort hört man von den Vertriebenen selbst was sie eigentlich möchten und wollen. Sie werden so wenig gefragt wie ihre Vorfahren als die Europäer Afrika 1885 unter sich aufteilten und seine Grenzen am Reißbrett mit dem Lineal zogen. Ohne Rücksicht auf die Völker Afrikas, ihrer Geschichte, Kultur und Traditionen. Hauptsache die Verteilung der Bodenschätze Afrikas stimmte in etwa mit der Gier und den Interessen der herrschenden Klassen Europas überein.

Sollen die Opfer der Kolonisation von damals zum großen Teil wieder die Opfer der gigantischen Bevölkerungsverschiebungen werden die heute mit der Fertigstellung des Greater-Middle-East-Projekts verknüpft sind? Und ob sie überhaupt das Schicksal akzeptieren das ihnen vom Wall Street-Imperium und seinen Vasallen - den transatlantischen Nato-Mächten - zugedacht ist? Jetzt wegen fehlender Zeugungsbereitschaft der Irak- Libyen- und Syrieninvasoren etc. (Koalition der Willigen), beim Umbau zum Neuen Nahen und Mittleren Osten, nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen, sondern stattdessen Kinder für Europa zeugen?
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Aus Lebensborn e.V., das von den Nazis erfunden wurde um Kinder für den "Führer" zu zeugen, die wiederum den Erhalt und die Ausbreitung Nazideutschlands gewährleisten sollten, schließt man im Zeitalter der neoliberalen Globalisierung eine Marktlücke des Humankapitals mit einem Zeugungsmarkt für aussterbende Europäer, oder was? Mit marktüblichen Monopolkonditionen. Die Einen verkaufen ihre Arbeitskraft äh, Zeugungswillen, nachdem man sie aus ihrer Heimat vertrieben hat und ihre nationalen Ressourcen in die Hände der Eroberer überführt wurden. Die Anderen spekulieren mit neugewonnenem Humankapital an Sklaven-, äh, Humankapitalbörsen um auch weiterhin arbeitsfreie Einkommen für Kapitaleigentümer garantieren zu können.

Die Politik des Land- und Ressourcenklaus, die Vernichtung bislang unabhängiger Staaten im Nahen und Mittleren Osten - Israel als selbsternannter Nutznießer des Ganzen ausgenommen - wird so lange wie möglich fortgesetzt. Bis zum finalen Knall. Und an Vereinbarungen und Verträgen wird man sich so wenig halten wie Israel sich in der jüngeren Vergangenheit an Vereinbarungen mit den Palästinensern auch nicht hält. Man ockupiert fremdes Land um es mit der eigenen Bevölkerung zu besiedeln und seine Ressourcen zu stehlen. Aktuelle Beispiele sind die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen vor der Küste des palästinensischen Gaza-Streifens und Ölbohrungen auf den syrischen, von Israel ockupierten Golanhöhen, zu erlauben. Das verstößt zwar gegen internationales Recht und Gesetz, aber inzwischen hat das Unrecht des internationalen Kapitalismus schon lange den Platz des internationalen Rechts eingenommen.
"Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 7. Februar 2004 wurde das Projekt erstmals offiziell debattiert. Deutschland, als einer der ersten Initiatoren der Idee, begrüßte dabei das US-amerikanische Projekt sofort. Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) hatte als Bundesaußenminister bereits einen Greater-Middle-East-Entwurf auf Grundlage des andauernden Barcelona-Prozesses (auch Barcelona-Initiative, Euro-mediterrane Partnerschaft, EUROMED) entwickelt, der 1995 zwischen der Europäischen Union (EU) und südlichen sowie östlichen Mittelmeeranrainerstaaten vereinbart worden war [..............] Das Treffen zwischen Bush und Gerhard Schröder (SPD) im Weißen Haus am 27. Februar 2004, auf dem der US-Präsident und der deutsche Bundeskanzler eine gemeinsame Stellungnahme zum Greater-Middle-East-Projekt verabschiedeten, wurde von Beobachtern als politische Versöhnung nach einem Jahr der politischen Spannungen der beiden Regierungen gewertet, die aus der strikten deutschen Ablehnung (an der Seite Frankreichs und Russlands) der völkerrechtswidrigen US-amerikanischen Militärintervention im Irak entstanden waren. Fischers Konzept zum Großraum Mittlerer Osten barg die Möglichkeit einer seiner Wirtschaftskraft entsprechende diplomatische Bedeutung für Deutschland, ausgehend vom Middle East, wobei der in keiner Allianz festgelegte Iran als „springendes Sprungbrett“ ausgewählt wurde [.............] In seiner Rede zur Lage der Nation vom 2. Februar 2005 bezog sich Bush in einer längeren Passage ausdrücklich auf das Großraum-Mittlerer-Osten-Projekt, das 2003 unter anderem aufgrund der Schwierigkeiten der US-Besatzungspolitik im Irak Diskussionen ausgelöst hatte. Als „Freunde“ für die Umsetzung nannte er erneut mehrere Regime, die weder den Ruf als Vertreter der Demokratie noch der Demokratisierung genossen, wie die sich auf göttlichen Willen berufende Monarchie Saudi-Arabien oder die marokkanische Monarchie. Bush und seine Außenministerin Rice schufen nun mit ihrer Vision, „Tyrannen zu beseitigen und Freiheit und Demokratie in die entferntesten Ecken der Welt zu bringen“ einen neuen Ansatz, für die US-Außen- und Hegemonialpolitik einen zeitgemäßen Rahmen zu gründen und im Bündnis mit den europäischen Partnern Anfang 2005 wieder von der „moralischen Defensive“ in eine moralische Offensive überzugehen. Während des Libanonkrieges von 2006 sprach die US-Außenministerin auch angesichts der hohen Zahl an Ziviltoten von „Geburtswehen“ eines „neuen Mittleren Ostens“, der von den USA unter allen Umständen weiter anzustreben sei......." Wikipedia
So hofft man, dass uns die global bestehende Gesellschaftsstruktur für die kommenden tausend Jahre erhalten bleibt. Falls die Menschen in Europa nicht verstehen, dass die Feinde nicht die Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten sind, sondern die Klasse die sie aus ihrer Heimat vertreibt und die nicht davor zurückschrecken wird auch die Europäer aus ihrer angestammten Heimat zu vertreiben, wann immer sie es für richtig befindet. Dann wird auch nicht lange bei den Betroffenen nachgefragt oder gefackelt. Es wäre nicht das erste Mal. Die europäische Geschichte ist gespickt mit Vertreibungen von Abermillionen Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Vernichtung selbstständiger Staaten.

Nur wenn die Europäer das verstehen, können sie ihre eigene Vertreibung verhindern. Nur dann hätte der Neoliberalismus die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Merke, der Kampf wird in der Regel von "oben" gegen "unten" geführt. Nur hin und wieder auch umgekehrt. Typische Klassenkämpfe eben, die zwischen gesellschaftlichen Klassen geführt werden und nicht zwischen Nationen oder Religionen. Die machen maximal nur die Herrschschaftsinstrumente aus, die den "kleinen Mann" gegen seine eigenen und für die Interessen der herrschenden Klasse in Eroberungskriege ziehen lässt.

Wenn man bei diesem politischen Sachverhalt sich gerade wieder neoliberal-faschistischen Parteien, wie die AfD in Deutschland und anderen neofaschistischen Parteien im übrigen Europa zuwendet, und vor die Karre des Neoliberalismus - gegen die eigenen Interessen - spannen lässt, ist das nur durch eine massenhaft verbreitete politische Naivität erklärbar, die glaubt, das Versagen der heutigen Politik mit noch größeren Versagern ersetzen zu können.

Die Herren des Planeten wird's freuen. Haben sie doch freie Bahn für ihr Schalten und Walten und müssen nichts von den eigenen Bevölkerungen befürchten.

FH

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