Dienstag, 13. September 2016

Sprüche klopfen: Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt

Mowitz
Peter Struck, verstorbener S?PD-Verteidigungsminister zwischen 2002 - 2005 des neuen Großdeutschlands, machte sich mit seinem Spruch, dass die (deutsche) Freiheit schon am Hindukusch verteidigt wird unvergessen. Die deutsche Bevölkerung fuhr auf den Spruch ab, blieb zu Hause und ging nicht auf die Straßen um sich gegen die neuen Sprücheklopfer für Krieg und gegen Frieden, zur Wehr zu setzen.

Dann stürmte die Bundeswehr als Teil der "International Security Assistance Force" (ISAF), nach Afghanistan um die Frauen von der Vollverschleierung (Burka) und Afghanistan von der Taliban zu befreien, um nach dem "Sieg" den Aufbau des geschundenen Landes zu sichern.

Wie so oft bei militärischen Einsätzen entwickelte sich der Krieg nicht so wie es sich seine Planer im US-Hauptquartier ausgedacht hatten. Die Taliban weigerte sich NATO-Flugbombardierungen mit einer eigenen Luftwaffe zu bekämpfen, da man keine hatte, sondern führten ihren Verteidigungskrieg gegen die fremden Eindringlinge nach eigenen Gesetzen. Ungefähr so wie es bereits die Vietnamesen getan hatten, als sie die Nordamerikaner aus ihrem Land jagten, in das der Vietcong (Nationale Front für die Befreiung Südvietnams) sie nicht eingeladen hatte um korrupte faschistische Regierungen in Süvietnam zu installieren, um u.a. eine Vereinigung der beiden Teile Vietnams zu verhindern und eine Ausbreitung des pösen, pösen Kommunismus zu stoppen.

Knapp 14 Jahre dauerte der Kampf-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Inzwischen hat der Bundestag eine weitere Verlängerung des Mandats beschlossen, bis Ende 2016 sollen deutsche Soldaten noch in Afghanistan bleiben. Vorerst.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Heute, 150.000 NATO-Soldaten in Afghanistan später, sind afghanische Frauen noch immer vollverschleiert, das Land zerstört und Zigtausende afghanische Zivilisten wurden durch Kampfhandlungen getötet, obwohl die Zivilisten gar nicht kämpften - und die Taliban blieben, trotz transatlantischen Siegesgeheuls, unbesiegt. Kein einziges ihrer Kriegsziele wurde von den Besatzern Afghanistans erreicht.

In dieses Land, in dem mehr als eine Million Binnenflüchtlinge in Lagern vegetieren, das Deutschland unter seiner Sprücheklopfer-Kanzlerin, "Wir schaffen das Merkel", noch schnell zu einem "sicheren Herkunftsland" ausgerufen hat, um Zehntausende, ohne Wenn und Aber und ohne viel Aufhebens abschieben zu können. Die Willkommenskultur der großen Sprücheklopferin ist schon zu Ende gegangen, bevor sie auch nur angefangen hat zu blühen.
"Das Kalkül der Bundesregierung liegt auf der Hand: Falls es ihr wirklich gelingt, der deutschen Bevölkerung ausgerechnet Afghanistan als »sicheres Herkunftsland« zu verkaufen, wird kaum noch ein Flüchtling aus irgendeinem anderen Teil der Welt vor Abschiebung sicher sein. Über die am schwersten wiegende Konsequenz wird nicht gesprochen: Mehr als 90 Prozent aller afghanischen Flüchtlinge leben in nur zwei Ländern – Pakistan und Iran. Beide Staaten wollen sich von dieser Last möglichst schnell befreien. Nur aufgrund internationalen Drucks hat die pakistanische Regierung ihr Ultimatum für die Rückkehr oder Abschiebung aller Flüchtlinge mehrmals verlängert, derzeit bis zum März 2017. Massenabschiebungen aus Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, wären geeignet, nicht nur in Islamabad und Teheran alle Hemmungen zu beseitigen. Noch leben weltweit rund 85 Prozent aller Flüchtlinge in »unterentwickelten« Ländern. Immer mehr Regierungen werden diesen Zustand in Frage stellen, wenn Deutschland als führende Industrienation mit schlechtem Beispiel vorangeht". junge Welt
"Beinahe 15 Jahre nach dem Beginn des NATO-Kriegs in Afghanistan und der unter starker deutscher Beteiligung durchgeführten Besatzung herrschen in dem Land katastrophale ökonomische und soziale Verhältnisse sowie eine miserable Sicherheitlage. Dem Krieg sind seit 2001 laut einer umfassenden Analyse mehr als 220.000 Menschen direkt oder indirekt zum Opfer gefallen. Die Sicherheitslage im Land hat sich zuletzt laut Einschätzung des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags "dramatisch verschärft". Soldaten müssen inzwischen, wenn sie von einem Standort zum nächsten wechseln wollen, aus Sicherheitsgründen fliegen, weil die Fahrt mit gepanzerten Autos auf der Straße als unvertretbar gefährlich gilt. Die Zahl der afghanischen Flüchtlinge wird von den Vereinten Nationen aktuell auf 1,1 Millionen geschätzt - mit steigender Tendenz. Wichtigster Wirtschaftszweig ist weiterhin der Opiumanbau; 39,1 Prozent der Afghanen leben nach nationalen Standards in Armut, 2,7 Millionen sind unterernährt. Lediglich die Bundeswehr kann positive Tendenzen erkennen und rät zu "Geduld und Ausdauer". - (Teil 2 einer Serie, in der german-foreign-policy.com - aus Anlass der Ankündigung Berlins, in Zukunft stärker "global" intervenieren zu wollen, auch militärisch - die Folgen der deutschen Kriege aus den vergangenen zwei Jahrzehnten bilanziert.)" German-Foreign-Policy
FH

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