Montag, 26. Dezember 2016

Mit ihrer Kampagne gegen "russische Hacker" begehen die Demokraten politischen Selbstmord

Photo by thierry ehrmann | CC BY 2.0

Von
Mike Whitney
counterpunch, 12.12.16

Die Demokratische Partei richtet sich aus Wut und Verzweiflung über ihren Misserfolg gerade selbst zugrunde – mit unhaltbaren Verschwörungstheorien und grundlosen Anschuldigungen. Hillary Clinton war schon vor der Wahl die unbeliebteste Präsidentschaftskandidatin, die von den Demokraten jemals ins Rennen geschickt wurde. Jetzt wird sie von einer Clique größenwahnsinniger Ehrgeizlinge aus den Reihen der CIA und den Redaktionen der New York Times und ihres Online-Magazins Military Digest zur (von den Russen verhinderten) Hoffnungsträgerin hochstilisiert. Hofft man so die Wahlchancen der Demokratischen Partei auf längere Sicht wieder verbessern zu können?

Das wird nicht gelingen, weil die Mehrheit der US-Amerikaner nichts mehr von einer Partei verantwortungsloser Jungspunde wissen will, die keine Vision für die Zukunft hat, sondern ihre ganze Energie mit einer bescheuerten Hexenjagd (auf russische Phantome) verschwendet, die nur beweist, dass sie nicht regierungsfähig ist.

Der Hauptgrund für Hillary Clintons Wahlniederlage ist sie selbst, weil sie eine polarisierende Kriegstreiberin ist, der die Wähler nicht vertraut haben. Basta! Putin hat mit all dem nichts zu tun.

Und die Mainstream-Medien saugen diese erbärmliche Lügengeschichte auch noch gierig auf und verbreiten sie. Ich zitiere aus der Titelgeschichte der New York Times, über die Verbindungen des KGB-Agenten Trump zum immer noch als Hort des Bösen verteufelten Kreml [s. hier]:
"US-Geheimdienste haben das Weiße Haus darüber informiert, dass mit 'hoher Wahrscheinlichkeit' die russische Regierung hinter dem Diebstahl von E-Mails und Dokumenten aus den Computern des Democratic National Committee steckt. ...

Den Angriff auf das Computersystem dieses Committee's scheint nach Einschätzung eines an der kriminaltechnischen Untersuchung beteiligten Offiziellen eine Gruppierung durchgeführt zu haben, die sich 'Fancy Bear' (Fantasie-Bär) nennt und Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU hat. ...

Mitarbeiter des Clinton-Wahklkampfteams sind der Meinung, der russische PräsidentWladimir Putin habe damit Herrn Trump, der ihn bewundert, zum Wahlsieg verhelfen wollen."
Wenn es einen Pulitzer-Preis für Panik erzeugende Andeutungen oder falsche Anschuldigungen gäbe, würde ihn die New York Times ganz gewiss für diesen Artikel bekommen. Leser, die sich den ganzen Artikel zu Gemüte führen, finden allerdings weiter unten das folgende entlarvende Dementi:
"Die Kampagnenbetreiber geben zu, dass sie keine Beweise für ihre Behauptungen haben. Trumps Wahlkampfteam hat die gegen Russland gerichteten Anschuldigungen als Verleumdung zurückgewiesen...."
"Keine Beweise?" Das heißt doch, das sie nichts vorweisen können, rein gar nichts!

Sie haben nur vage Hinweise auf angebliche Hackerangriffe, die Wladimir Putin-Strangelove (s. dazu auch hier) in seinem unterirdischen Cyberkriegsbunker angeordnet haben soll, und diese Hinweise stammen auch noch von anonym bleibenden US-Geheimdienstlern. Dieses dürftige "Material" reicht noch nicht einmal für einen unterhaltsamen Spionagethriller aus.

Der ganze Unsinn über "der Fantasie entsprungene Bären in Diensten des russischen GRU", die mit "hoher Wahrscheinlichkeit von namenlosen US-Agenten enttarnt" worden sein sollen, dient natürlich nur dazu, ängstliche Leser zu Tode zu erschrecken und ihnen weiszumachen, der Kreml greife wieder auf alte Tricks aus dem Kalten Krieg zurück. Die Redakteure der New York Times wissen sehr wohl, dass es ziemlich einfach ist, die Denkmuster wiederzubeleben, die mit der 40 Jahre lang betriebenen antisowjetischen Gehirnwäsche eingeimpft wurden, und die leichtgläubige US-Schafherde davon zu überzeugen, dass Washington und Moskau immer noch Erzfeinde sind. In einem sachlichen Bericht über mögliche Konflikte zwischen den USA und Russland hätte man allerdings auch darauf hinweisen müssen, dass die USA die NATO rücksichtslos nach Osten ausgeweitet, in ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten Militärbasen gebaut, das prorussische Regime in der Ukraine gestürzt und in Osteuropa Abschussbasen für Atomraketen errichtet haben, die nur einige hundert Meilen von Moskau entfernt sind.

Eigentlich hätten die Schreiberlinge von der New York Times ja auch erkennen müssen, dass die jüngste Propagandakampagne gegen Putin nur eine Reaktion auf die mit russischer Unterstützung erzielten Erfolge gegen die "Rebellen" in der syrischen Stadt Aleppo ist. Wie andere US-Medien lässt sich auch die New York Times als Propagandaorgan der US-Regierung erneut dazu missbrauchen, die Öffentlichkeit gegen "Übeltäter" aufzuhetzen, die dieses Mal aus Russland kommen, damit Washington seinen imperialistischen Eroberungskrieg auf ein weiteres Land ausdehnen kann. Dieses ganze "Hacker-Getue" ist doch nur ein weiterer Schachzug in der hybriden Kriegsstrategie des Pentagons, das ständig Informationen manipuliert, um sich damit die Unterstützung der US-Öffentlichkeit für eine weitere Runde seines völkermörderischen Strebens nach Weltherrschaft zu sichern – das wohl erst einmal mit der erneuten Bombardierung Raqqas fortgesetzt wird. (s. dazu auch hier).

Wäre die immer nach Blut gierende Hillary dabei an Bord? Selbstverständlich wäre sie dabei, denn sie hat ja noch keinen Krieg ausgelassen.

Bringen wir's auf den Punkt: Nicht Putin, Obama ist verantwortlich für Hillarys Wahlniederlage. Er hatte den Menschen Veränderungen versprochen, die nicht eingetreten sind. Deshalb sind sie jetzt durch die Tür gegangen, die Donald Trump ihnen aufgehalten hat. In der Wahlanalyse des Meinungsforschungsinstituts PEW Research wird mit wenigen Sätzen erklärt, was bei dieser Wahl tatsächlich passiert ist:
"Die Republikanische Partei hat 2016 große Zugewinne in der US-Mittelschicht erzielt. Viele Mittelschicht-Wahlbezirke, in denen 2008 noch Barack Obama gewonnen hatte, gingen 2016 mit großer Mehrheit an Donald Trump und brachten ihm den Sieg, weil er gleichzeitig alle 27 Mittelschicht-Wahlbezirke halten konnte, die schon 2008 von Republikanern gewonnen wurden. Hillary Clinton hingegen verlor 18 der 30 Mittelschicht-Wahlbezirke, die 2008 an die Demokraten gegangen waren.

Insgesamt erlitten die Demokraten 2016 große Verluste. Ihr Stimmenanteil sank in 196 der 221 untersuchten städtischen Wahlbezirke. Der Verlust war so groß, dass 37 Wahlbezirke, in denen 2008 noch die Demokraten gewonnen hatten, an die Republikaner fielen.

Nicht zufällig verloren die Demokraten auch viel Boden in Wahlbezirken, in denen große Produktionsbetriebe geschlossen wurden. Von 56 Wahlbezirken mit einem relativ hohen Anteil von in der Produktion Beschäftigten holte sich Trump 15 Bezirke, in denen 2008noch Obama gewonnen hatte, und konnte gleichzeitig alle 29 halten, in denen die Republikaner schon 2008 gesiegt hatten. Die Demokraten hielten nur 12 Bezirke. ...
Habt ihr's kapiert? Die Demokraten haben überall Stimmen verloren, weil Obama nicht geliefert hat. Das ist der Hauptgrund. Außerdem haben die Wähler Hillary nicht als die Kandidatin angesehen, die sich um die Probleme der arbeitenden Bevölkerung kümmert – um gerechte Löhne, wirtschaftliche Sicherheit und gute Jobs. Ist das so schwer zu verstehen?

Die Menschen sind sauer, weil es ihnen immer schlechter statt besser geht. Ihr Lebensstandard sinkt, ihre Jobs, ihre Versorgung im Krankheitsfall und ihre Rente sind nicht mehr sicher, und ihre Kinder müssen sich stark verschulden, wenn sie studieren wollen. Sie haben das Vertrauen in die Medien, den Kongress, die Gerichte und einen Präsidenten verloren, der ihnen versprochen hat, ihre Situation werde sich bessern, aber während seiner gesamten Amtszeit keinen Finger dafür gerührt hat.

Die Wahlanalyse bestätigt, dass Hillary vor allem deshalb verloren hat.

Die Demokraten haben keine Vision für die Zukunft. Ohne eine solche Vision wird diese Partei untergehen, und genau das passiert gerade. Die Demokratische Partei ist in Auflösung begriffen, und mit ihrer Kampagne gegen die "russischen Hacker" wird sie den Zerfallsprozess nur beschleunigen.

Mike Whitney lebt im Staat Washington. Er ist Mitautor des Buches "Hopeless: Barack Obama and the Politics of Illusion (Hoffnungslos: Barack Obama und die Politik der Illusionen, s. https://www.akpress.org/hopeless.html), das bei AK Press erschienen und auch als Kindle Edition verfügbar ist. Er ist zu erreichen über fergiewhitney@msn.com


Übersetzung: luftpost-kl.de

Mehr zum Thema:
Gegenmeinung: Ehemalige US-Geheimdienstler äußern sich zu der Behauptung, russische Hacker hätten die US-Präsidentenwahl manipuliert >>>

Kommentare:

  1. DER GESCHÄFTSFÜHRER EINES ASIATISCHEN RESTAURANTS,EIN VIETNAMESE,SAGTE ZU UNS
    DIE MENSCHEN WÜRDEN SICH VERSTEHEN,ABER DIEPOLITIKER DULDEN ES NICHT.WIE WAHR.

    AntwortenLöschen
  2. Und mit der Willfäigen Unterordnung, unter der Kriegstverbrecherin Killery Clinton, durch Bernie Sanders, hat die "Linke" , bei den " Demokraten", genauso, wie hier die SPD , bei den Menschen, bis in die Steinzeit und Zurück Verschissen.Es sieht so aus, das die Herren"menschen" Dynastien, für die unsere Zukunft, keine Parteien, mehr Vorgesehen haben.

    AntwortenLöschen